{"id":252,"date":"2021-03-05T11:42:00","date_gmt":"2021-03-05T09:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/schule-der-zukunft.at\/?p=252"},"modified":"2021-03-14T11:56:36","modified_gmt":"2021-03-14T09:56:36","slug":"schratz-schulentwicklung-corona-positiv-innovationsschub-fuer-das-bildungssystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schule-der-zukunft.at\/?p=252","title":{"rendered":"Schratz: Schulentwicklung Corona-positiv. Innovationsschub f\u00fcr das Bildungssystem?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Von<\/strong> <strong><strong>Univ.-Prof. i.R. Dr. Michael Schratz<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geschrieben f\u00fcr das &#8222;Deutsche Schulportal&#8220; ( https:\/\/deutsches-schulportal.de\/expertenstimmen\/michael-schratz-schulen-corona-positiv-innovationsschub-fuer-das-bildungssystem\/<\/strong>) <strong>und f\u00fcr unsere Plattform dankenswerterweise von Univ.-Prof. i.R. Dr. Michael Schratz<\/strong> <strong>zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Corona-Pandemie hat den Schulalltag ver\u00e4ndert. Seit Monaten kann der Unterricht nicht mehr so stattfinden, wie wir es \u00fcber Jahrzehnte gewohnt waren. Der Bildungsforscher, Erziehungswissenschaftler, Schulp\u00e4dagoge, &nbsp;Gr\u00fcndungsdekan der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/fakultaeten\/lehrerinnenbildung\/index.html.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">School of Education<\/a>&nbsp;an der Universit\u00e4t Innsbruck Michael Schratz, der auch Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises ist, lenkt den Blick aber weg von den Einschr\u00e4nkungen hin zum Innovationsschub, den viele Schulen durch die neue Situation erlebt haben. In seinem Gastbeitrag f\u00fcr unsere Plattformnennt er f\u00fcnf Schl\u00fcsselbereiche, in denen Schulen sich schon auf den Weg gemacht haben und sich weiterentwickeln sollten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Raum als \u201edritter P\u00e4dagoge\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Laut Schratz sei der virtuelle Raum zum \u201edritten P\u00e4dagogen\u201c zwischen Lehrenden und Lernenden geworden. Nicht die r\u00e4umliche N\u00e4he bestimmte den Unterrichtserfolg, sondern die lernseitige Haltung: Manche Kinder und Jugendliche berichteten, sich im virtuellen Raum mehr eingebracht oder mehr pers\u00f6nlichen Kontakt zur Lehrperson gehabt zu haben als im Klassenzimmer. Pandemiebedingt erfolgte ein neues N\u00e4he-Distanz-Bewusstsein, die st\u00e4rkere Einbeziehung des Lebensraums und die \u00d6ffnung des Schulraums zum Umfeld, zum Beispiel in der <a href=\"https:\/\/www.fachportal-paedagogik.de\/literatur\/vollanzeige.html?FId=1085058#vollanzeige\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eDrau\u00dfenschule\u201c.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Zukunftsfrage: Welche M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume (er)finden wir, die auf Kreativit\u00e4t abzielen und die Lebenswelt einbeziehen, um alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zu erreichen, ohne dass sie ihren Unterricht im Klassenraum absitzen m\u00fcssen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zeit schafft Struktur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Einteilung der Zeit taktet den Schulalltag und bestimmt \u00fcber Freiheit und Kontrolle. Je mehr Kinder und Jugendliche bereits im regul\u00e4ren Unterricht Verantwortung f\u00fcr ihre eigene Lernzeit \u00fcbernehmen konnten, umso leichter taten sie sich. Zeitmanagement, Selbstverantwortung und die zeitliche Organisation im Alltag erfordern entsprechendes Training.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zukunftsfrage: Welche zeitliche Organisation von Lerngelegenheiten sehen wir vor, um die Nutzung von \u201eQualit\u00e4tszeit\u201c in die Eigenverantwortung der Betroffenen zu geben und deren F\u00e4higkeit zur Strukturierung des Alltags zu st\u00e4rken?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beziehung braucht einander<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Verlust an N\u00e4he hat trotz oder gerade wegen der Distanz die Bedeutung der Beziehung erst richtig sp\u00fcrbar gemacht. Das Ausbleiben von Feedback oder gar das \u201eVerlieren\u201c einzelner Kinder hat deutlich gemacht, dass Unterricht ein responsives Geschehen ist. Ebenso das Miteinander im Kollegium, was sich in der Aussage offenbart: \u201eOhne Psychologen und Sozialarbeiter w\u00e4ren wir schlichtweg aufgeschmissen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zukunftsfrage: Wie gestalten wir Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden, Elternhaus und Schule sowie innerhalb des Kollegiums, um den Bildungserfolg jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen sicherzustellen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schule im Zeitalter der Digitalit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Digitalisierungsschub an Schulen war dem \u201eNotunterricht\u201c geschuldet. Er machte diesbez\u00fcgliche Schwachstellen im System sichtbar, insbesondere auch im Hinblick auf Chancengerechtigkeit. Mehr denn je stellen sich Fragen, wie junge Menschen im Zeitalter der Digitalit\u00e4t und der damit verbundenen gesellschaftlichen Transformation (\u00fcber)leben lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zukunftsfrage: Wie nutzen wir den Digitalisierungsschub, um die k\u00fcnftigen Generationen auf die ver\u00e4nderten globalen Herausforderungen zur Selbstbestimmung und -verantwortung vorzubereiten?<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/deutsches-schulportal.de\/expertenstimmen\/jenseits-der-faecher-warum-well-being-mehr-beachtung-verdient\/\"><strong>Well-being<\/strong><\/a><strong> als gesellschaftliche Perspektive<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Schulschlie\u00dfung offenbarte, was Kinder an Schule haben: Die fehlende Sicherheit hat vielerorts das Leben destabilisiert und zu psychosozialen Herausforderungen gef\u00fchrt. Je st\u00e4rker Kinder in der Schule Resilienz entwickeln k\u00f6nnen, desto h\u00f6her ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Leben ungewohnten Herausforderungen und unklaren Situationen mit Selbstwirksamkeit und Zuversicht begegnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zukunftsfrage: Welche Ma\u00dfnahmen setzen wir, damit Kinder und Jugendliche zu gereiften Pers\u00f6nlichkeiten werden, die im gesellschaftlichen Miteinander ein erf\u00fclltes Leben f\u00fchren k\u00f6nnen und die erforderliche Resilienz erwerben, um an Herausforderungen zu wachsen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schulen brauchen Freiraum, um Innovationsschub zu nutzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aus den disruptiven Erfahrungen stellen sich abschlie\u00dfend die zentralen Fragen:<\/p>\n\n\n\n<p>Passen unsere fest eingewurzelten Vorstellungen von Unterricht und von dessen Ergebnissen noch in unsere Zeit und zu unserer Sch\u00fclerschaft?Wollen wir zur\u00fcck zu der mancherorts wieder ersehnten \u201eNormalit\u00e4t\u201c aus der Zeit, wie wir sie vor den Schulschlie\u00dfungen erlebt hatten?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir die Jahrhundertchance und den damit verbundenen Innovationsschub nutzen wollen, bedarf es der Offenheit, mutig aus bisherigen Gewohnheiten auszubrechen und im Kollegium den Umgang mit Raum, Zeit, Beziehung, Digitalit\u00e4t und Well-being neu zu bestimmen. Dazu ben\u00f6tigen Schulen jenen Freiraum, der das Kollegium rasch und flexibel handeln l\u00e4sst, wie es w\u00e4hrend der Schulschlie\u00dfung erforderlich war. Gelingt der Abbau von Regelungsdichte und \u00fcberbordender B\u00fcrokratie zugunsten von mehr Eigenverantwortung am Einzelstandort nicht, kommt es wohl zur Schubumkehr zur\u00fcck in die \u201ealte Normalit\u00e4t\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Univ.-Prof. i.R. Dr. Michael Schratz Geschrieben f\u00fcr das &#8222;Deutsche Schulportal&#8220; ( https:\/\/deutsches-schulportal.de\/expertenstimmen\/michael-schratz-schulen-corona-positiv-innovationsschub-fuer-das-bildungssystem\/) und f\u00fcr unsere Plattform dankenswerterweise von Univ.-Prof. i.R. Dr. Michael Schratz zur Verf\u00fcgung gestellt. Die Corona-Pandemie hat den Schulalltag ver\u00e4ndert. Seit Monaten kann der Unterricht nicht mehr so stattfinden, wie wir es \u00fcber Jahrzehnte gewohnt waren. 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