{"id":344,"date":"2021-03-23T07:01:30","date_gmt":"2021-03-23T05:01:30","guid":{"rendered":"http:\/\/schule-der-zukunft.at\/?p=344"},"modified":"2021-03-23T07:01:30","modified_gmt":"2021-03-23T05:01:30","slug":"wie-inklusion-gelingen-kann-wenn-es-menschelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schule-der-zukunft.at\/?p=344","title":{"rendered":"Wie Inklusion gelingen kann, wenn es \u201emenschelt\u201c&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Zur Verf\u00fcgung gestellt von Wolfgang Begus, Obmann des Vereins \u201eIntegration Tirol\u201c (https:\/\/www.integration-tirol.at\/)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Kind mit autistischer Wahrnehmung wird immer \u201eschlimmer&#8220; in der Schule und Situationen eskalieren immer wieder. In pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen stellt sich dann heraus, dass der Klassenlehrer (ist auch Direktor) Mobbing zul\u00e4sst und teilweise auch daran teilnimmt. Das Kind wird als \u201ekomisch&#8220; und \u201ebl\u00f6d&#8220; wahrgenommen. Ein St\u00f6rfaktor in der Klasse&#8230;<br><strong>Laut Klassenlehrer wird nie was aus dem Kind werden und es soll in eine Sonderschule&#8230;<\/strong><br><br>Letztlich war die Volksschulzeit voller \u201eMissverst\u00e4ndnisse&#8220;: Der Lehrer hat nie wirklich hingeschaut und das Kind nie wirklich wahrgenommen. Das Kind hat ihn gest\u00f6rt, weil es anders war und seiner vorgefertigten Meinung nicht entsprochen hat. Und das Kind hat \u2013 wie die ganze Familie \u2013 sehr darunter gelitten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><u>Probleme entstehen so gut wie nie durch das \u201eAnderssein\u201c, sondern immer durch das Ignorieren und nicht wahrhaben wollen von Menschen, die anders denken, f\u00fchlen, aussehen\u2026 Also aus Mangel an Respekt und einem Mangel an der eigenen Flexibilit\u00e4t<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die entnervten Eltern suchten also eine neue Schule und ausgerechnet ein Gymnasium hat das Kind dann gerne aufgenommen. Die Direktorin war gerne bereit dazu und die Lehrerschaft stand gro\u00dfteils hinter der Entscheidung! \u201eWir wollen dazulernen&#8220; war der Vorsatz&#8230;.<br><strong><u>Umdenken und mal neue Wege gehen\u2026<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine ganz tolle Klassenvorst\u00e4ndin hat das Kind letztlich ins Herz geschlossen und eine erfahrene Schulassistentin wurde hinzugezogen. Um das finanzierbar zu machen, mussten der Verein \u201eIntegration Tirol\u201c eine Schlichtung anstreben und zwei Mal nach Wien fahren, um das Bildungsministerium zu \u00fcberzeugen, dass die bestehenden Richtlinien f\u00fcr Schulassistenz an Bundesschulen diskriminierend und nicht zielf\u00fchrend sind. Da ist den Eltern und der Schule in Zusammenarbeit mit dem Verein gelungen!<br><strong><u>L\u00f6sungen werden immer von beteiligten Menschen erm\u00f6glicht, deren Haltung, deren Menschenbild\u2026<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende erhielt das Kind Assistenz f\u00fcr die Schulzeit und f\u00fcr den Schulweg! Und das erstmals in \u00d6sterreich trotz nicht \u201eausreichender Pflegestufe&#8220;. Und die Schuldirektorin war wirklich stolz, was uns da in guter Zusammenarbeit aller gelungen ist. Es war sch\u00f6n zu lesen, dass sich ausgerechnet eine Direktorin eines Gymnasiums so stark f\u00fcr ein Schulkind mit einer anderen Denk- und Wahrnehmungsweise einsetzt und auf diese Art auch f\u00fcr ihre gute Schule k\u00e4mpft! Und einige Lehrpersonen (vor allem die Klassenvorst\u00e4ndin) haben super mitgewirkt!<br><strong><u>Solidarit\u00e4t und nochmals Solidarit\u00e4t! Und Verantwortung \u00fcbernehmen!<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Abrechnungsprobleme mit dem f\u00fcr die Assistenz zust\u00e4ndigen Dienstleister auftraten, hat sich die Stiefmutter erfolgreich um einen neuen Abrechnungspartner bem\u00fcht \u2013 und einen gefunden, der auch vom Ministerium anerkannt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><u>Niemand kann der Politik genauer sagen, was es braucht, als Eltern und Betroffenen.<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und es kam noch besser: Die Klasse plante eine Sprachreise nach London und wollte niemanden daheim lassen. Also wurde auch das m\u00f6glich gemacht! Das erste Kind ohne hohe Pflegestufe, das Assistenz f\u00fcr eine Auslandsreise erhalten hat&#8230; und es war letztlich eine tolle und unproblematische Zeit, auch wenn die Vorbereitungen mit Kampf, vielen Gespr\u00e4chen und \u00dcberzeugungsarbeit zu tun hatten. Am Ende war alles gut.<br><strong><u>Es ist immer noch besch\u00e4mend, dass bei fast allen Probleml\u00f6sungen das Kindeswohl gegen politische und b\u00fcrokratische Eigent\u00fcmlichkeiten antreten muss.<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings ist es leider bis heute so, dass die Eltern die Kosten f\u00fcr die Assistenz bei Klassenfahrten, Schulausfl\u00fcge, Exkursionen, etc. selbst tragen m\u00fcssen und damit zumindest das Doppelte &#8211; zuz\u00fcglich der Gehaltskosten f\u00fcr die Assistenz &#8211; von dem bezahlen m\u00fcssen, wie Eltern von Kindern ohne Assistenzbedarf.<br><strong><u>Und immer wieder droht es an den Finanzen zu scheitern.<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Kind \u2013 mittlerweile eine junge erwachsene Person \u2013 ist ganz lange schon ein voll akzeptiertes und gleichwertiges Mitglied der Klassengemeinschaft. Es ist respektiert und wahrgenommen. Samt den Denkunterschieden und trotz der unterschiedlichen sozialen Wahrnehmungsf\u00e4higkeiten ist vollkommen klar, dass Menschen zwar in ihrer Art unterschiedlich sind, aber alle einen passenden Platz in der Gemeinschaft haben m\u00fcssen!<br><strong><u>Menschen, die \u00fcber den Tellerrand blicken, die Kinder in ihrer Einzigartigkeit wahrnehmen sind das Fundament einer guten Schule. Nicht Homogenit\u00e4t, sondern Heterogenit\u00e4t bringt uns weiter.<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Prophezeiung, dass nur eine Sonderschule, oder gar keine Schule das Beste w\u00e4re, hat sich nicht bewahrheitet! Heuer ist das Jahr der Maturvorbereitung und anschlie\u00dfend (niemand zweifelt daran!) wird wohl ein Studium folgen&#8230; Und die Klassenvorst\u00e4ndin bedauert heute schon, dass diese gemeinsame Zeit bald enden wird. Es sind f\u00fcr alle ganz wichtige und sch\u00f6ne Beziehungen entstanden, die man vielleicht nicht als \u201eklassische Beziehungen&#8220; bezeichnen kann, aber die alle Beteiligten bereichert und ver\u00e4ndert haben. Die Familie, die Lehrpersonen, die Mitsch\u00fcler, uns von Integration Tirol und sogar auch die beteiligten Personen im Landesschulrat.<br><strong><u>Was so alles gelingen kann, wenn nur alle wollten<\/u><\/strong>!<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn die Geschichte anonymisiert ist, sie ist wahr und sch\u00f6n! Es musste viel erk\u00e4mpft werden, aber es ist alles gelungen. Und der Jurist im Landesschulrat, der bei der ersten Schlichtung noch eher ablehnend und sehr zur\u00fcckhaltend war, hat sehr spontan und gerne f\u00fcr das Maturajahr eine kleine, aber hilfreiche zus\u00e4tzliche Unterst\u00fctzung bef\u00fcrwortet&#8230; in diesem Fall wurde aus Skepsis wohlwollende \u00dcberzeugung.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings muss man dazusagen, dass die Bezirkshauptmannschaft, bzw. die Sozialabteilung bei jedem Problem ihr Unterst\u00fctzungsangebot auf eine weitere Therapie beschr\u00e4nkt hat. Obwohl lange schon klar war, dass die betroffene Person lange schon weitere Therapien ablehnt, sich selbst als \u201etherapieresistent&#8220; betrachtet und sich ganz andere Unterst\u00fctzungen gew\u00fcnscht hat. Auch der soziale Dienstleister hat sich bis zum letzten Jahr aus der gesamten eher zur\u00fcckgehalten und die Unterst\u00fctzung dem Helfer vor Ort \u00fcberlassen. Beide \u2013 Dienstleister wie auch die Sozialabteilung &#8211; sind da an ihrer mangelnden Flexibilit\u00e4t immer wieder mal gescheitert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><u>Wenn irgendwelche Problem mit Kindern auftauchen, wird immer noch viel zu oft auf eine Therapie verwiesen. Es l\u00e4sst sich nicht jedes Kind an den Mainstream hin therapieren. F\u00fcr eine echte Teilhabe braucht es nicht immer nur eine Therapie, sondern vermehrt Angebote und Unterst\u00fczung zu einer wirklichen Teilhabe.<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Verf\u00fcgung gestellt von Wolfgang Begus, Obmann des Vereins \u201eIntegration Tirol\u201c (https:\/\/www.integration-tirol.at\/) Ein Kind mit autistischer Wahrnehmung wird immer \u201eschlimmer&#8220; in der Schule und Situationen eskalieren immer wieder. 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