{"id":406,"date":"2021-04-05T10:09:05","date_gmt":"2021-04-05T08:09:05","guid":{"rendered":"http:\/\/schule-der-zukunft.at\/?p=406"},"modified":"2021-04-05T10:09:05","modified_gmt":"2021-04-05T08:09:05","slug":"die-rolle-der-gewerkschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schule-der-zukunft.at\/?p=406","title":{"rendered":"Die Rolle der Gewerkschaft"},"content":{"rendered":"\n<p>Unbestritten spielt die LehrerInnengewerkschaft eine bedeutsame und starke Rolle im Schulwesen. Dabei betonen zwar alle Fraktionen ihre Unabh\u00e4ngigkeit, von ihren Positionen und Verflechtungen her ist jedoch eine parteipolitische Tendenz erkennbar, bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Dementsprechend spielen sie auch bei dem einen oder anderen schulpolitischen Thema den verl\u00e4ngerten Arm der politischen Parteien. Und sie sind ihrer Klientel, ihren W\u00e4hlerInnen verpflichtet, sodass sich der Status quo des derzeitigen Schulwesens einerseits aus der Ideologie der stimmenst\u00e4rksten Partei und Gewerkschaftsfraktion in \u00d6sterreich mehr oder weniger ergibt. Da sind gro\u00dfe \u00c4nderungen, Neuerungen wie z.B. Notenverzicht in der Volksschule oder die gemeinsame Schule nicht zu erwarten.<br><br>Da die Gewerkschaftsarbeit sich vor allem, verst\u00e4ndlicherweise naturgem\u00e4\u00df und in ihrem Selbstverst\u00e4ndnis, an der W\u00e4hlerschaft (LehrerInnen) orientiert, ist sie auch nicht systemisch angelegt. Weder innerhalb der unterschiedlichen Str\u00f6mungen der Lehrerschaft noch innerhalb des Systems Schule (LehrerInnen, Eltern, Sch\u00fclerInnen, Direktorinnen und Direktoren), da ja alle diese Beteiligten ihre eigene Lobby haben.<br><br>Dies verstellt leider auch h\u00e4ufig den gro\u00dfen Blick auf das Gesamte. So zum Beispiel geschehen in den Jahren 2008\/09 und 2012\/13, als die Regierung aus Kostengr\u00fcnden auf die Idee kam, die Lehrverpflichtung der AHS- und BHS-LehrerInnen auf 22 (&#8222;abgewehrt&#8220; &#8211; eigentlich teuer erkauft &#8211; mit dem Sparpaket 2009) und dann aller Lehrer*innen auf 22+2 Stunden zu erh\u00f6hen (ohne Sozialpartnereinigung im Nationalrat als neues Dienstrecht beschlossen). Den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern war das eher egal, ebenso den Eltern und der \u00d6ffentlichkeit sowieso (da man ja ohnehin davon ausgeht, dass die Lehrerschaft zu wenig arbeite). Um die Situation zu retten, handelte die Gewerkschaft einen Kuhhandel aus: Man lie\u00df die \u201eAltlehrerinnen und Altlehrer\u201c aus und begl\u00fcckte die k\u00fcnftigen \u201eJunglehrerinnen und Junglehrer\u201c damit. Als Zuckerl und Argumentationshilfe w\u00e4hlte man die Gehaltskurve, die f\u00fcr die Junglehrerinnen und Junglehrer nun steiler beginnt und sp\u00e4ter flacher wird. Hei\u00dft: Manche JunglehrerInnen verdienen nun am Anfang mehr, am Ende steigen die L\u00f6hne nicht so stark an wie bei den \u201eAltlehrerinnen und Altlehrern\u201c, insgesamt jedoch verringert sich (wenn man die Arbeitszeit ber\u00fccksichtigt) bei fast allen die Lebensverdienstsumme, bei L1 im Vergleich mit pd um einen 6-stelligen Eurobetrag. Ein wahrliches Meisterst\u00fcck der Bildungssparmeister!<br><br>Aber: Da auch durch die Abschaffung des Unterrichtspraktikums von Anfang an wesentlich mehr Stunden gehalten werden m\u00fcssen und Aufgaben wie Klassenvorstehung oder Kustodiat verpflichtend dazukommen, ist es systemisch gesehen klar eine Verschlechterung der Arbeitssituation und des Einkommens der Junglehrerinnen und Junglehrer, der Qualit\u00e4t der Begleitung der einzelnen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler und damit auch der Erwartung der Eltern, was eine Schule leisten soll.<br><br>Diese Liste k\u00f6nnte man durchaus weiterf\u00fchren, z.B. beim Weitergelten aller Verschlechterungen des 2009er-Sparpakets trotz nun wesentlich h\u00f6herer Unterrichts- und Betreuungsverpflichtung.<br><br>Fazit: Es f\u00fchrt kein Weg an der stimmenst\u00e4rksten LehrerInnengewerkschaft vorbei. Sie ist ein verl\u00e4ngerter Arm der Regierung. Entweder als Unterst\u00fctzer, ist die \u00d6VP an der Macht, oder als Opposition, ist die SP\u00d6 an der Macht, sie ist mehr oder weniger ihren Mitgliedern verpflichtet, hat also selten einen systemischen Blick auf das Ganze und verhindert, wenn man sich die letzten Jahrzehnte ansieht, ein zukunftsorientiertes Schulsystem.<br><br>Ob das noch lange so gehen wird, werden wir sehen. Die Situation in der Kirche, aber auch in der Weltpolitik unter Corona zeigt ja deutlich auf, dass das Festhalten an \u00fcberholten Ideen und Strukturen, sowie die fehlende Zusammenarbeit nicht zukunftsorientiert sind und uns mehr schaden als n\u00fctzen.<br><br>Markus Astner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unbestritten spielt die LehrerInnengewerkschaft eine bedeutsame und starke Rolle im Schulwesen. 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