{"id":451,"date":"2021-09-26T09:38:57","date_gmt":"2021-09-26T07:38:57","guid":{"rendered":"http:\/\/schule-der-zukunft.at\/?p=451"},"modified":"2021-09-26T09:38:57","modified_gmt":"2021-09-26T07:38:57","slug":"ein-insider-eine-insiderin-berichtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schule-der-zukunft.at\/?p=451","title":{"rendered":"Ein Insider\/Eine Insiderin BerichteT"},"content":{"rendered":"\n<p>Unl\u00e4ngst habe ich ein recht interessantes Gespr\u00e4ch mit einem Insider\/einer Insiderin gef\u00fchrt, der\/die 5 Jahre lang in einer Schule in Innsbruck gearbeitet hat, nicht mehr in diesem System involviert ist und daher, vermute ich, befreiter dar\u00fcber sprechen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Da es seine\/ihre subjektive Wahrnehmung ist und jene Schule betrifft, in der er\/sie war, k\u00f6nnen nat\u00fcrlich keine gro\u00dfartigen Schl\u00fcsse auf die allgemeine Schulsituation in Innsbruck gezogen werden, aber es stimmt auch so nachdenklich, nicht bezogen auf die Schule, sondern in Bezug auf unser System.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe es f\u00fcr ihn\/sie zusammengefasst:<\/p>\n\n\n\n<p><br>&nbsp; *&nbsp;&nbsp; Diese Schule hat einen hohen Anteil an Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen muslimischen Hintergrunds und einen hohen Anteil an Kindern, die aus belasteten Familien (Armut, Gewalt\u2026) stammen.<br>&nbsp; *&nbsp;&nbsp; Sehr viele LehrerInnen sind desillusioniert, haben aufgegeben, gehen in der Fr\u00fch ins Geb\u00e4ude, um ihren Broterwerb nachzugehen, und machen sich dann, so schnell wie m\u00f6glich, nach Unterrichtsschluss auf den Weg nach Hause\u2026<br>&nbsp; *&nbsp;&nbsp; Die Schule ist mehr eine Aufbewahrungsst\u00e4tte f\u00fcr die Kinder als ein Ort des Lernens. Ein Unterricht im \u00fcblichen Sinn ist nicht m\u00f6glich.<br>&nbsp; *&nbsp;&nbsp; Die Eltern sind \u00e4u\u00dferst unkritisch gegen\u00fcber dem, was dort geschieht. Dass sich Eltern an die Schule in schulischen, sozialen\u2026 Belange wenden, kommt kaum vor. Es fehlt also an der Kontrolle von au\u00dfen und auch an einer sinnvollen Zusammenarbeit mit der Elternschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;*&nbsp;&nbsp; Die LehrerInnen sind damit besch\u00e4ftigt, die Kinder im Zaum zu halten, viele LehrerInnen machen sich kaum Gedanken \u00fcber die Zukunft dieser Kinder und deren Ausbildung.<br>&nbsp; *&nbsp;&nbsp; Vereinzelte Versuche von engagierten Lehrern und Lehrerinnen gehen unter, werden als energieraubend wahrgenommen. Da die Chancen der Kinder auf ein besseres Leben ohnehin nicht sehr gro\u00df sind, w\u00e4re das Zeitverschwendung.<br>&nbsp; *&nbsp;&nbsp; Der Umgang mit den Kindern ist recht roh, autorit\u00e4r\u2026, das kennen sie aus ihren Familien, das verstehen die Kinder, das ist die Sprache, die viele von ihnen von Zuhause gewohnt sind. Es herrscht kein respektvoller noch achtsamer Umgang miteinander. Immer wieder wird von LehrerInnenseite weggeschaut.<br>&nbsp; *&nbsp;&nbsp; An einer Entwicklung der Schule haben nur die wenigsten LehrerInnen Interesse, da sie das Gef\u00fchl haben, dass es ohnehin nichts nutze, sie f\u00fchlen sich allein gelassen und selbst als VerliererInnen dieses Systems.<br>&nbsp; *&nbsp;&nbsp; Die Vorstellung herrscht vor, dass die Sch\u00fclerInnen ohnehin kaum Perspektiven f\u00fcr danach haben und wahrscheinlich sich nicht aus ihrer Herkunft befreien k\u00f6nnen bzw. am Arbeitsmarkt einer Niedriglohnarbeit nachgehen werden. Dies f\u00fchrt auch dazu, dass keine Anstrengungen unternommen werden, sie schulisch so auszubilden, dass ihnen Werkzeuge mitgegeben werden, um sich aus dieser Situation befreien zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0 *\u00a0\u00a0 Nach au\u00dfen hin wird ein etwas anderes Bild der Schule gezeichnet, um \u00fcberlebensf\u00e4hig zu bleiben. Das gezeichnete Bild stimmt jedoch nicht mit der Realit\u00e4t \u00fcberein. Da auch Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr LehrerInnen damit einhergehen, ist die Schule daran interessiert, dass niemand ein objektiveres Bild erf\u00e4hrt, vielleicht erfolgt auch daher kein Aufschrei der Lehrerschaft.<br>\u00a0 *\u00a0\u00a0 Die Idee, die Schule durch Schwerpunktsetzungen zu st\u00e4rken, scheitert, da diejenigen, die man dringend br\u00e4uchte, sich nicht f\u00fcr diese Schule entscheiden. Kein Elternteil, der sein Kind gut aufgehoben, gef\u00f6rdert\u2026 wissen m\u00f6chte, entscheidet sich freiwillig bzw. unfreiwillig f\u00fcr diese Schule. Teils auch deswegen, (leider), weil man nichts mit dem \u201eP\u00f6bel\u201c und Menschen mit \u201emuslimischen\u201c Hintergrund\u2026 zu tun haben m\u00f6chte bzw. weil man (verst\u00e4ndlicherweise!?) &#8222;kein reiches, wei\u00dfes, beh\u00fctetes Kind gerne alleine in die Bronx schickt&#8220;.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p><br>PS: Betont werden sollte, dass weder die Lehrerschaft noch der Direktor\/die Direktorin und die Eltern, die Schuld daran haben, dass es so ist, wie es ist, wenn es so ist. Wir haben in \u00d6sterreich dieses System geschaffen, wir haben alle Anteil daran, dass es solche Schulen im st\u00e4dtischen Raum gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur wenn die Herausforderungen von vielen angegangen werden, kann dieses System durchbrochen werden. Eine Schule alleine, ein paar LehrerInnen alleine, ein paar Direktorinnen und Direktoren alleine\u2026 k\u00f6nnen dieses systemisches Versagen nicht alleine schultern und f\u00fcr dieses Versagen auch noch geradestehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unl\u00e4ngst habe ich ein recht interessantes Gespr\u00e4ch mit einem Insider\/einer Insiderin gef\u00fchrt, der\/die 5 Jahre lang in einer Schule in Innsbruck gearbeitet hat, nicht mehr in diesem System involviert ist und daher, vermute ich, befreiter dar\u00fcber sprechen kann. 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