Thomas und das leidige Thema: In welche schule kommt mein kind?

Thomas wird demnächst in eine Innsbrucker Volksschule kommen. Seine Eltern machen sich große Sorgen: Er ist entwicklungsverzögert. Über die Schule, in die er kommt, hört man unter der Elternschaft nichts Gutes. „Stimmt das überhaupt?“, fragen sich die Eltern. „Hängt das nicht auch von der Lehrerin/vom Lehrer ab, den er erhalten wird? Wie werden sie in der Schule mit seinem Handicap umgehen? Werden sie geduldig sein? Werden sie ihm Zeit lassen? Ihn fördern und auf ihn eingehen? Und was wird nach der 4. Klasse Volksschule sein?“ Viele Fragen, die sich die besorgten Eltern stellen.

Sie gehen ihren Fragen nach. Ihre Zweifel werden immer größer und größer. Verstärkt durch den Sprengelschutz, die Schule lässt keinen Schulwechsel zu, wird die Situation für die Erziehungsberechtigten fast unerträglich. Was sollen sie tun? Ihn an einer anderen Wohnadresse anmelden? Aber solche Überlegunen möchten sie eigentlich gar nicht anstellen. Das kommt ihnen falsch vor. Auch die Bildungsdirektion ist ihnen dabei keine große Hilfe. Kann sie wahrscheinlich auch gar nicht sein.

Für viele, zum Glück, stellt sich dieses Dilemma gar nicht. Für die einen deshalb nicht, weil ihr Kind ohnehin in eine Schule ihres Vertrauens kommt. Für die anderen nicht, weil sie sich mit dem Bildungsweg ihrer Kinder nicht im Geringsten auseinandersetzen.

Dabei könnte es für Thomas und seine Eltern, aber auch andere Familien, die aus verschiedensten Gründen in einer ähnlichen Situation sind, recht einfach sein:

– Schulen müssten nur, unabhängig vom Sprengel, so qualitätsvoll sein, dass Eltern gar nicht die Befürchtung haben müssen, dass ihr Kind dort nicht gut begleitet wird.

– Schulen mit besonderen Herausforderungen, in die niemand gerne sein Kind schicken würde, müssten einfach nur abgeschafft werden. Die Herausforderungen auf alle Schulen verteilt werden.

– Auf die Notengebung in der Volksschule müsste einfach verzichtet werden. Sie dient vorwiegend der Selektionierung, tut den Kindern/Lehrerinnen und Lehrern sowie unserer Gesellschaft nicht gut.

– Und die Rahmenbedingungen sind so zu gestalten, dass eine Schule die ihnen anvertrauten Kinder so gut begleiten kann, dass alle davon profitieren.

Was hindert uns daran??? Wir sind im 21. Jahrhundert!!!

Ein Gedanke zu „Thomas und das leidige Thema: In welche schule kommt mein kind?“

  1. Lieber Herr Astner,
    vielen Dank für Ihren Text, jedoch Ihrer Aussage, dass die Bildungsdirektion keine große Hilfe sein könne, muss ich doch widersprechen, denn es ist die Aufgabe der Bildungsdirektion hier unterstützend zur Seite zu stehen. Sowohl den Erziehungsberechtigten wie auch den Lehrpersonen.
    Dafür gibt es das so genannte Diversitätsmanagement an der Bildungsdirektion: https://bildung-tirol.gv.at/schule-unterricht/diversitaetsmanagement
    Es war auch ein Erfolg des damals noch bestehenden Landesschulratskollegiums, in dem ich mehrere Jahre bis zu dessen Auflösung tätig war, dass die Beratung von Erziehungsberechtigten von Kindern mit Sonderpädagogischen Förderbedarf aus den Sonderschulen herausgelöst wurde und in eigenen Pädagogischen Beratungszentren angesiedelt wurde.
    Bezüglich der unsinnigen Notengebung, besonders in der Primarstufe/Volksschule, gebe ich Ihnen vollkommen recht, hier werden besonders von Bildungserfolgsgetriebenen Eltern, spätestens in der 3. Klasse, Kinder die etwas „langsamer“ sind, als Hemmschuh für das Fortkommen ihrer eigenen Kinder gesehen und nicht selten raus aus der Inklusion im Regelschulwesen hinein in die Sonderschulen gemobbt.
    Was uns hindert? Ideologische Bretter vor den Köpfen weniger Besitzstandswahrer, die wissen, dass ihre Kinder in einer fairen nach Fähigkeiten orientierten Welt keine Chancen hätten dorthin zu gelangen, wo sie sie aber gerne sehen würden….
    Es gibt als noch viel zu tun.
    beste Grüße
    Wolf Grünzweig

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